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Nazaré Silberküste


 

Nazaré ist eine am Atlantik gelegene portugiesische Stadt im Distrikt Leiria, in der Region Centro und der historischen Provinz Estremadura, ca. 100 km nördlich von Lissabon gelegen. Sie hat 10.100 Einwohner (Stand 2001) und eine Fläche von 39,49 km². Sie ist als Fischer- und Tourismusstadt sowie Wallfahrtsort bekannt. Sie ist Sitz des gleichnamigen Landkreises (Município da Nazaré) mit 14.904 Einwohnern und einer Gesamtfläche von 80,49 km². Sie hieß ebenso wie der Landkreis bis 1912 „Pederneira“, ein Namen den heute noch der das historische Zentrum beherbergende Ortsteil trägt. Pederneira war eine der dreizehn Städte der Coutos de Alcobaça, dem Herrschaftsgebiet der Abtei von Alcobaça.


Nazaré verfügt über einen Fischereihafen, der in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts vollständig erneuert und erweitert wurde. Die Bevölkerung lebt überwiegend vom Fischfang, der Fischverarbeitung und dem Fremdenverkehr, der durch die windgeschützte Lage an einem etwa 2 km langen Sandstrand begünstigt wird. Da ein anderer Stadtteil Nazarés, das auf einem in das Meer hinausragendem Felsplateau 110 Meter oberhalb der Bucht von Nazaré liegende Sítio, seit dem 13. Jahrhundert und bis zu Beginn des 20. Jahrhundert mit seinem Santuário de Nossa Senhora da Nazaré (Heiligtum Unserer Lieben Frau von Nazareth) die wichtigste Wallfahrtstätte Portugals war, hatte sich Nazaré schon im 19. Jahrhundert zu einer bedeutenden Touristenstadt entwickelt. Dieser Pilgerstätte entlehnte die Stadt im Jahre 1912 auch ihren heutigen Namen. Die modernen Stadtrechte (als Villa) wurden ihr 1936 verliehen. Von 1801 bis 1900 nahm die Bevölkerung Nazarés um fast 300 % zu, von 1900 bis 2000 dann nochmals um knapp 175% und wies damit bei den alten Städten der Coutos de Alcobaça das größte Wachstum auf.
 

Kreis

Nazaré ist wesentlicher Teil und Sitz des gleichnamigen kleinen Kreises, dem Município da Nazaré. Dieser Kreis wird mit Ausnahme seiner Küstenlinie vollständig von dem Nachbarkreis Alcobaça umschlossen, zu dessen historischem Herrschaftsgebiet er bis zur Schließung der Abtei von Alcobaça im Jahre 1833/34 -mit Ausnahme des Stadtteils Sítio - gehörte. Der Kreis besteht seit 1895 und bestand zuvor schon einmal von 1834-1855. Ihm gehören noch zwei andere Gemeinden (Freguesias) an, die sich östlich anschließende Gemeinde Valado dos Fradres mit 3.100 Einwohnern (Stand 2001) und einer Fläche von 19,2 km² und die sich südlich anschließende Gemeinde Famalicão mit 1.600 Einwohnern (Stand 2001) und einer Fläche von 21,8 km². In Famalicão liegt nahe dem Meer mit der Kirche von São Gião eines der ältesten christlichen Gotteshäuser der iberischen Halbinsel.
 

Entstehung von Nazaré-Strand

Die Stadt Nazaré besteht aus drei Stadtteilen, den beiden Ortsteilen Sítio und Pederneira sowie dem sich am Strand entlang ziehenden modernen Ortsteil, wo mittlerweile der größte Teil der Bevölkerung lebt. Diese Zone war bis zur zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kaum besiedelt, zumal aufgrund der geologischen Formation das Meer gegen die dort von Pederneira aus steil zur Küste abfallenden Felswände schlug. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Felsvorsprünge unter dem unablässig anrollenden Wellen geschliffen, zudem versandte die Bucht von Nazeré in gesamter Breite, so dass in geologisch außerordentlich kurzer Zeit vor der einstigen durch Gebirgszüge gebildeten Küstenlinie ein Sandstrand entstand, der sich von der weiterhin steil nach Sítio ansteigenden Felswand weg in südliche Richtung erstreckt, an dem sich heute das moderne Nazeré zum neuen Hafen hinzieht. Südlich des Hafens erreicht das angelandete Gelände eine Tiefe von anderthalb Kilometern. Vor der Mitte des 18. Jahrhunderts besaßen die Bewohner von Pederneira und Sítio am Strand nur ihre Fischerhütten, brachten sich und ihre sonstige Habe auch vor den ständigen Angriffen der Piraten in ihren teilweise befestigten Siedlungen auf den Anhöhen in Sicherheit. Ab Beginn des 18. Jahrhunderts ließen aber auch diese Überfälle nach, so dass nunmehr die Fischer unten am sich neu bildenden Strand zu siedeln begannen. Ende des 18. Jahrhunderts wurden dort bereits 58 Häuser gezählt. Ihre Boote ließen die Fischer nunmehr mit der Brandung in das Meer hineintreiben, die bei ihrer Rückkunft von Ochsengespannen wieder auf den trockenen Strand gezogen wurden. Diese zum Meer hin enge Lage fordert auch heute während der Herbst- und Winterstürme ihren Tribut, wenn an der Uferstraße die Bewohner ihre Läden, Restaurants und sonstige Einrichtungen je nach Wetterlage gegen die heranstürmende Flut mit Brettern verbarrikadieren müssen.
 

Ascensor de Nazaré

Der moderne Teil Nazarés entstand in einer in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts einsetzenden starken baulichen Entwicklung, die bereits im 19. Jahrhundert ihren Höhepunkt mit der Verbindung von Nazaré-Strand mit Sítio durch eine Bergbahn, dem Ascensor de Nazaré, fand. Seitdem überwindet die Bahn auf einer 318 Meter langen Strecke mit einer Steigung von 42 % den zwischen den beiden Ortsteilen bestehenden Höhenunterschied von 110 Metern. Die Bahn wurde von einem Schüler des Schöpfers des Pariser Eiffelturms, Alexandre Gustave Eiffel, konstruiert, Raoul Mesnier du Ponsar, der auch den Elevador de Santa Justa von 1902 in Lissabon geplant hat. Der Aufzug von Nazaré, wie die Portugiesen die Bahn nennen, wurde am 28. Juli 1889 eingeweiht und verbindet seitdem mit einer fünfjährigen Unterbrechung zwischen 1963 und 1968 die durch eine Steilwand getrennten Ortsteile. Im Jahre 1963 hatte es den einzigen Unfall mit zwei Toten und einer größeren Anzahl von Verletzten gegeben, wobei eine der beiden Kabinen zerstört wurde. Die Verbindung zwischen Nazaré-Strand und Sítio diente in den ersten Jahrzehnten vor allem der Beförderung der Wallfahrer zum Heiligtum Unserer Lieben Frau von Nazareth, während dann die Verbindung auch zunehmend Bedeutung für die medizinische Versorgung der Bevölkerung erlangte, nachdem die Confraria de Nossa Senhora da Nazaré (Bruderschaft Unserer Frau von Nazareth) (bzw. deren Rechtsvorgänger die Real Casa da Nossa Senhora da Nazaré, Königliches Haus Unserer Frau von Nazaré), der bis heute die Verwaltung der Einrichtungen des Heiligtums obliegt, dort ab 1878 ein Hospital betrieb. In heutiger Zeit ist Sitio auch mit dem Auto über einen etwa fünf km langen Umweg vom Strand aus zu erreichen.
 

Mittelalterlicher Hafen, Lagune von Pederneira

Zum Süden hin öffnet sich die enge Zone, in der das moderne Nazaré liegt, und hinter dem weitläufigen Hafengelände befindet sich eine Ebene, die ebenfalls noch vor dem ansonsten die Küstenlinie bildenden Höhenzug liegt und die durch die in den letzten zwei bis drei Jahrhunderten eingetretenen Versandung dieses Bereichs entstanden ist. Dort, wo der ansonsten die Küstenlinie verriegelnde Höhenzug in einer Breite von etwa zweihundert Metern unterbrochen wird, tritt der Fluss Alcoa in einer etwa 200 m breiten Pforte aus einer hinter dem Höhenzug ebenfalls noch auf Meeresniveau liegenden Ebene aus und fließt nunmehr durch die neue knapp 1.5 km vorgelagerte versandete Ebene in das Meer. Noch bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts reichte die Meeresbucht von Nazaré bis zu dieser Öffnung des Höhenzuges, die sich dann landeinwärts zu einer etwa 4 km tief ins Land reichenden und sich etwa 10 km nach Norden erstreckenden Lagune, der Lagune von Pederneira (Lagoa de Pederneira), weitete, teilweise dort wo heute das Bett des Flusses Alcoa verläuft. In diesem Bereich des Übergangs der Bucht zur Lagune befand sich noch bis zum 17. Jahrhundert der Hafen von Pederneira, der selbst von den größten hochseetauglichen Schiffen der damaligen Zeit genutzt werden konnte.[1] Er war bereits ab dem 12. Jahrhundert ein Hafen der Abtei von Alcobaça und spielte auch noch zu Zeiten der portugiesischen Entdeckungsreisen des 15. und 16. Jahrhunderts eine wichtige Rolle.[2] Hiervon kann man heute noch eine Vorstellung gewinnen, wenn man etwa 10 km südlich von Nazaré nach São Martinho do Porto blickt, wo hinter dem Gebirgszug, der das Land vom Meer bis auf eine schmale Öffnung von ebenfalls knapp zweihundert Metern Breite abriegelt, eine Lagune mit einem Ausmass von etwa 1.4 Kilometer mal 900 Metern liegt, die im Mittelalter etwa 3 km ins Binnenland hinein bis nach Alfeizerão reichte und sich 10 km nach Süden erstreckte, die Lagoa de Alfeizerão. Diese Lagune wurde von der Lagune von Pederneira von einer schmalen, nur wenige hundert Meter breiten sich von Alfeizerão nach Famalicão hin ziehenden Geländeerhebung getrennt. Auch die Lagune von Alfeizerão wurde von der Abtei von Alcobaça als Hafen genutzt. Der Hafen bei Pederneira war aber in den ersten Jahrhunderten der Herrschaft der Abtei der größere und die Bevölkerung von Pederneira hatte offenbar bereits im 12. Jahrhundert eine solche Eigenständigkeit, dass sie in den Urkunden des jungen portugiesischen Königreichs schon unter dem zweiten König von Portugal Sancho I. (1154-1211) Eingang fand, weil sie sich –erfolglos- gegen die königlich verfügte Abhängigkeit von der Abtei zur Wehr setzte. [3] Die ursprünglich auch zur Salzgewinnung genutzte Lagune bildete sich im Laufe der Jahrhunderte zurück, deren Sümpfe von den Mönchen der Abtei Alcobaça, die im ganzen Lande für diese Kunst berühmt waren, mit großem Erfolg trockengelegt wurden. Noch heute durchzieht die gesamte Fläche ein Netz von Gräben. Im 17. Jahrhundert wurde der Hafen dann aus der Lagune zum offenen Meer hin verlegt, wo er noch eine Zeitlang als Porto da Vila de Pederneira betrieben wurde und wovon aus man mit flachen Booten auch noch Teile der Lagune befahren konnte.[4]

Gründe für die starke Verlandung in der Neuzeit

Das Verschwinden des Hafens und die gleichzeitig starke Verlandung auf der Seeseite des ansonsten die Küstenlinie bildenden Höhenzugs während der letzten 300 Jahren lässt auf eine schlüssige Erklärung noch warten. Ein Erklärungsversuch bringt dies mit der im Jahre 1772 stattgefundenen großen Flut, vermutlich durch einen Tsunami ausgelöst, in Zusammenhang, die selbst das etwa 10 km im Hinterland liegende Kloster von Alcobaça so im Schlamm der zurückflutenden Wassermassen versinken ließ, dass es Jahre für die Freiräumung benötigte. [5] Die aus dem Hinterland zurückströmenden Wassermassen konnten aber in einer Breite von jeweils 10 km sowohl nach Süden wie nach Norden hin nur durch die etwa 200 Meter weite Pforte der alten Lagune abfließen, ansonsten ist der Zugang durch den geschlossenen Höhenzug verriegelt. Die sich hierbei in die Bucht ergießenden Schlammmassen können zur Beschleunigung der seither bekannten Verlandung erheblich beigetragen haben.
 

Die alte Stadt Pederneira

Pederneira gilt als eine Gründung der Abtei von Alcobaça und war eine der dreizehn Städte der von der Abtei gebildeten Coutos de Alcobaça. Die Bevölkerung von Pederneira existierte aber sicherlich bereits zuvor, zumal von anfänglichen Widerständen gegen die neubegründete Herrschaft der Abtei berichtet wurde. Pederneira erhielt 1236/1238 von der Abtei das eigene Nutzungsrecht. Aufgrund seines Hafens erlangte es recht bald eine Sonderstellung und war nach Alcobaça die bevölkerungsreichste Stadt der Coutos. Als anfangs des 16. Jahrhunderts die Städte im Herrschaftsgebiet der Abtei nach größerer Unabhängigkeit strebten, erhielt auch Pederneira 1514 von König Manuel I. (1469-1521) ein neues Stadtstatut, das den Bürgern größere Selbständigkeit einräumte, aber zugleich die Tributpflicht zugunsten der Abtei von Alcobaça bekräftigte. Der als Zeichen der Jurisdiktion in allen klösterlichen Gründungen aufgestellte Schandpfahl, portugiesisch „Pelourinho“, wurde durch einen neuen ersetzt, von dem heute noch im historischen Zentrum dieses Stadtteils von Nazaré der Sockel vorhanden ist. Nach der Schließung des Klosters im Jahre 1833/34 kam der Schandpfahl abhanden und in Erinnerung daran wurde 1886 ein neuer schmuckloser Stein auf den Sockel gesetzt, wie der Pelourinho in die heutige Zeit überkommen ist. In seiner Nähe befindet sich auch ein anderes typisches Zeichen der klösterlichen Herrschaft, die Kirche Matriz (Igreja Paroquial de Nossa Senhora das Areias), die in ihrer heutigen Form zwar aus dem 16. Jahrhundert stammt. Ob die frühere Kapelle aus der Gründungszeit an dieser oder an anderer Stelle stand, ist strittig. An diesem Platz liegt auch das alte Rathaus und der spätere Sitz des Landkreises Pederneira bis zum Jahre 1855, als der Landkreis dem Landkreis Alcobaça zugeschlagen wurde, eine Entscheidung die aber 1895 wieder korrigiert wurde. Dieses Gebäude stammt in seiner jetzigen Form aus dem 19. Jahrhundert, geht jedoch offenbar, wie auch andere Gebäude an diesem Platz, auf das frühe 16. Jahrhundert zurück. Aus dem 16. Jahrhundert stammt auch die Stiftung „da Misericórdia“, die bis 1877 ein Hospital betrieb und von der heute noch die Kirche gleichen Namens zeugt.
 

Fort São Miguel Acanjo

Das Felsplateau, auf dem Sítio liegt, fällt in Richtung Westen auf einem schmalen Kamm zum Meer hin ab, wo sich in etwa einem Drittel der Höhe das Forte S. Miguel Acanjo (heute auch bekannt als Farol de Nazaré, Leuchtturm von Nazaré) befindet. Dieses Fort wurde 1577 unter der Regierung von König Sebastião (1554-1578) zum Schutze des Santuários von Sítio sowie der Bevölkerung von Pederneira und dessen wichtigen Hafens errichtet, um den ständigen Angriffen der Piraten Einhalt zu gebieten. Es wurde 1600 zur Zeit der Zugehörigkeit Portugals zu Spanien durch den spanischen König Philipp III., der nach portugiesischer Zählung als Philipp II. geführt wird, rekonstruiert. Während der französischen Invasion von 1807/8 besetzten die Franzosen das Fort. Die Bevölkerung Pederneiras, wegen der von den Franzosen in Sítio angerichteten Verwüstungen empört, vertrieb die im Fort verschanzten Soldaten aus eigener Kraft. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Fort desaktiviert und 1903 in ihm ein Leuchtturm errichtet. Dieser arbeitet heute mit einer Leuchtkraft von 15 Seemeilen.

 

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